Die Unternehmensnachfolge in Österreich betrifft bis 2034 rund 52.500 Arbeitgeberunternehmen und damit etwa 23 Prozent aller Betriebe mit Beschäftigten. An diesen Unternehmen hängen rund 705.000 Arbeitsplätze (Wirtschaftskammer Österreich, zitiert nach ORF, 2026). Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass eine Betriebsübernahme für viele Menschen längst zu einer ernstzunehmenden Alternative zur Neugründung geworden ist.
- 2025 wurden in Österreich 8.202 Betriebe übernommen – der höchste Wert seit Erhebungsbeginn 1998 und ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber 2024.
- Bis 2034 stehen rund 52.500 Arbeitgeberunternehmen mit etwa 705.000 Beschäftigten vor einer möglichen Übergabe.
- Rund 55 Prozent der Übernahmen erfolgen noch innerhalb der Familie, Tendenz sinkend – familienexterne Lösungen gewinnen an Bedeutung.
- 61 Prozent der Nachfolger:innen steigern nach der Übernahme den Umsatz, 60 Prozent investieren mehr als ihre Vorgänger:innen, 36 Prozent stellen zusätzliches Personal ein.
- Mit der Nachfolge-Taskforce des BMWET und dem Programm NextGen4Austria hat das Thema die wirtschaftspolitische Agenda erreicht.
2025 war ein Rekordjahr für Betriebsübernahmen
Im Jahr 2025 haben in Österreich 8.202 Betriebe die Eigentümer:innen gewechselt – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1998 (ORF, 2026). Das entspricht einem Zuwachs von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch über einen längeren Zeitraum ist die Dynamik deutlich: Seit 2021 wurden österreichweit bereits mehr als 37.000 Unternehmen übergeben (ORF, 2026). Die Zahl der jährlichen Übernahmen stieg von 5.995 im Jahr 2015 auf 7.792 im Jahr 2024 (brutkasten, 2026). Die Nachfolgewelle ist also kein Szenario für die Zukunft, sie läuft bereits.
52.500 Unternehmen und 705.000 Arbeitsplätze bis 2034
Zwischen 2025 und 2034 stehen in Österreich rund 52.500 Unternehmen ohne Ein-Personen-Unternehmen vor einer potenziellen Übergabe – knapp 23 Prozent aller Arbeitgeberunternehmen (Junge Wirtschaft, 2025). Betroffen sind damit rund 705.000 Beschäftigte, rechnerisch also durchschnittlich etwa 13 Mitarbeiter:innen je Betrieb.
Entscheidend ist die Abgrenzung: Gemeint sind Betriebe mit zumindest einer unselbstständig beschäftigten Person. Fast jedes vierte Arbeitgeberunternehmen Österreichs steht damit innerhalb eines Jahrzehnts vor einem möglichen Generationenwechsel.
Der Haupttreiber ist die Demografie: Die Pensionierungswelle der Babyboomer erreicht die Unternehmerschaft mit derselben Wucht wie den Arbeitsmarkt. Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass sich der demografische Wandel deutlich in der Unternehmenslandschaft widerspiegelt (BMWET, o. D.).
Die Übergabe an Sohn oder Tochter verliert an Bedeutung
Rund 55 Prozent aller Betriebsübergaben in Österreich finden derzeit noch innerhalb der Familie statt – mit sinkender Tendenz (ORF, 2026). Familienexterne Nachfolgelösungen gewinnen laut BMWET zunehmend an Bedeutung (BMWET, o. D.).
Die Gründe liegen in veränderten Lebensentwürfen der nächsten Generation, einer geringeren Bereitschaft von Kindern, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, und in kleineren nachfolgenden Geburtsjahrgängen. Aus dem klassischen Muster „Elternteil an Kind“ wird zunehmend „Unternehmer:in an externe:n Unternehmer:in“. Genau dadurch entsteht ein Markt für Menschen, die sich selbstständig machen wollen.
Übernehmen statt gründen: Was die Zahlen zur Nachfolge sagen
Eine Übernahme startet nicht bei null: Kundenstock, Mitarbeiter:innen, Standort, Lieferantenbeziehungen, Marke und laufender Umsatz sind bereits vorhanden. Übernehmende erhalten von Beginn an Marktzugang und ein eingearbeitetes Team (brutkasten, 2026).
Dass daraus keine bloße Fortführung wird, zeigt eine Untersuchung der KMU Forschung Austria: 61 Prozent der Nachfolger:innen steigern nach der Übernahme ihren Umsatz, 60 Prozent investieren mehr als ihre Vorgänger:innen. Bei rund der Hälfte der Betriebe bleibt die Beschäftigung stabil, 36 Prozent stellen zusätzliches Personal ein (KMU Forschung Austria, zitiert nach VOL.AT, 2026).
Besonders übernahmestark sind Gewerbe und Handwerk mit 30,5 Prozent aller Übergaben, gefolgt von Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 25,1 Prozent und dem Handel mit 19,9 Prozent (Leadersnet, 2026). Regional zeigt sich die Entwicklung etwa in Niederösterreich, wo 2025 mit 1.364 Übernahmen 16,6 Prozent aller österreichischen Betriebsübergaben stattfanden – ein Plus von rund 18 Prozent binnen zwei Jahren (Wirtschaftskammer Niederösterreich, 2026).
Wo die Hürden liegen – und was die Politik plant
Die größten Hürden bei der Unternehmensnachfolge sind Finanzierung, Steuern, Bürokratie und die Suche nach geeigneten Nachfolger:innen. Die Wirtschaftskammer fordert deshalb steuerliche Erleichterungen sowie einen Beteiligungsfreibetrag, durch den private Beteiligungen an Betriebsübernahmen bis zu 100.000 Euro über fünf Jahre steuerlich absetzbar werden sollen (ORF, 2026).
Auf politischer Ebene hat das Thema an Gewicht gewonnen: Das BMWET hat gemeinsam mit WKÖ und Junger Wirtschaft eine Nachfolge-Taskforce aus zehn Expert:innen eingerichtet, die Betriebsübergaben einfacher und planbarer machen soll (BMWET, 2025). Ergänzend läuft von Mai bis Oktober 2026 das berufsbegleitende Weiterbildungsprogramm NextGen4Austria für angehende Nachfolger:innen (WKO, o. D.).
Fazit
Die Unternehmensnachfolge in Österreich ist zugleich eine strukturelle Herausforderung und ein unternehmerisches Angebot. Wer über Selbstständigkeit nachdenkt, sollte die Übernahme eines bestehenden Betriebs zumindest ernsthaft prüfen – vorausgesetzt, Unternehmensbewertung, Finanzierung und Due Diligence werden professionell abgesichert. Ob die anstehenden 52.500 Übergaben gelingen, entscheidet mit darüber, wie viele der rund 705.000 betroffenen Arbeitsplätze erhalten bleiben.
FAQs
Wie viele Unternehmen stehen in Österreich vor einer Nachfolge?
Ist eine Betriebsübernahme einfacher als eine Neugründung?
Wie viele Betriebsübernahmen gab es 2025 in Österreich?
In welchen Branchen gibt es die meisten Betriebsübergaben?
Welche Unterstützung gibt es für Unternehmensnachfolger:innen?
Quellenverzeichnis
Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus. (2025). BMWET/WKÖ: Mit der Nachfolge-Taskforce machen wir den Weg frei für die Unternehmergeneration von morgen [Pressemeldung]. https://www.bmwet.gv.at/Presse/AktuellePressemeldungen/Nachfolge-Taskforce.html
Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus. (o. D.). Unternehmensnachfolge. https://www.bmwet.gv.at/Themen/Wirtschaftsstandort-Oesterreich/KMU/unternehmensnachfolge.html
brutkasten. (2026). NextGen4Austria: Unternehmensnachfolge als smarte Alternative zur klassischen Neugründung. https://brutkasten.com/artikel/nextgen4austria
Junge Wirtschaft. (2025). Mit der Nachfolge-Taskforce machen wir den Weg frei für die Unternehmergeneration von morgen [Pressemeldung]. https://www.jungewirtschaft.at/oesterreich/wer-wir-sind/presse/pressemeldungen/nachfolge-taskforce.html
Leadersnet. (2026). WKO veröffentlicht Rekordbilanz – So viele Betriebe wie noch nie wechselten in Österreich den Eigentümer. https://www.leadersnet.at/news/102971,so-viele-betriebe-wie-noch-nie-wechselten-in-oesterreich-den.html
ORF. (2026). 8.202 Betriebsübernahmen in Österreich. https://orf.at/stories/3439878
VOL.AT. (2026). Rekord bei Betriebsübernahmen in Österreich 2025. https://www.vol.at/8-202-betriebsuebernahmen-in-oesterreich-im-jahr-2025/10406438
Wirtschaftskammer Niederösterreich. (2026). WKNÖ-Ecker: Niederösterreich verzeichnet kräftiges Plus bei Unternehmensübernahmen [Pressemeldung]. https://www.presse-nachrichten.de/2026/08/27/wknoe-ecker-niederoesterreich-verzeichnet-kraeftiges-plus-bei-unternehmensuebernahmen/
Wirtschaftskammer Österreich. (o. D.). NextGen4Austria: Neues Weiterbildungsprogramm für Nachfolger:innen. https://www.wko.at/jw/nextgen4austria







