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Stationärer Handel in Österreich: 87,5 Prozent der Ausgaben fallen weiter im Geschäft an

Warum der stationäre Handel in Österreich trotz Rekordwerten im Onlinehandel der dominierende Einkaufskanal bleibt – und in welchen Branchen er zuletzt sogar Marktanteile zurückgewonnen hat.
Kundin beim Einkauf im stationären Handel in Österreich in einer Einkaufsstraße

Der stationäre Handel in Österreich bleibt mit Abstand der wichtigste Einkaufskanal: 87,5 Prozent aller Einzelhandelsausgaben entfielen 2025 auf Geschäfte vor Ort, nur 12,5 Prozent auf E-Commerce (Handelsverband Österreich, 2026a). Gleichzeitig erreichte der heimische Onlinehandel 2026 mit 12,3 Milliarden Euro einen Rekordwert (Handelsverband Österreich, 2026b). Beide Befunde stimmen – und genau in diesem Nebeneinander liegt die eigentliche Entwicklung im österreichischen Handel.

Kurz zusammengefasst

  • Österreichische Haushalte gaben 2025 rund 80,7 Milliarden Euro im Einzelhandel aus, 87,5 Prozent davon stationär.
  • Der Onlinehandel wächst dennoch: plus 4,1 Prozent im Jahr 2025, 12,3 Milliarden Euro und 13 Prozent Anteil im Jahr 2026.
  • In Mode, Schuhen, Sportartikeln und Lebensmitteln ist der Online-Anteil zuletzt gesunken.
  • Bei Videospielen (68 Prozent), Büchern (39,1 Prozent) und Elektronik (33,6 Prozent) dominiert weiterhin der Onlinekauf.
  • Von einem Boom kann trotzdem keine Rede sein: Real stagnierten die Einzelhandelsumsätze im ersten Halbjahr 2026 bei plus 0,1 Prozent.

Stationärer Handel in Österreich: Das sagen die aktuellen Zahlen

Die österreichischen Haushalte gaben 2025 erstmals mehr als 80 Milliarden Euro im Einzelhandel aus – konkret 80,7 Milliarden Euro ohne Kfz. Die Ausgaben stiegen nominell um 2,6 Prozent und real um 0,8 Prozent, die E-Commerce-Ausgaben wuchsen mit 4,1 Prozent etwas stärker. Der Online-Anteil an den einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben erhöhte sich dadurch von 12,3 auf 12,5 Prozent (Handelsverband Österreich, 2026a).

2026 setzt sich das fort: Der Online-Anteil erreicht mit 13 Prozent einen Höchstwert, rund 5,8 Millionen Österreicherinnen und Österreicher kaufen im Netz ein (Handelsverband Österreich, 2026b). Der stationäre Handel behauptet seine Dominanz also nicht, weil E-Commerce schrumpft – beide Kanäle wachsen parallel.

Mode, Sport und Lebensmittel: Wo der stationäre Handel zurückgewinnt

In mehreren großen Warengruppen hat der Onlinehandel 2025 Marktanteile abgegeben. Der Markt für Bekleidung und Schuhe wuchs um 3,3 Prozent, die Onlineausgaben aber nur um 1,7 Prozent – der Online-Anteil sank dadurch auf 29,3 Prozent. Bei Damenmode liegt er bei 32,8 Prozent, bei Herrenmode nur bei 23,4 Prozent. Der Schuhhandel legte um 8,3 Prozent zu, während der Online-Anteil leicht auf 28,0 Prozent zurückging (Handelsverband Österreich, 2026a).

Ähnlich verlief es im Sporthandel: plus 3,6 Prozent bei den Gesamtausgaben, ein Rückgang des Online-Anteils auf 14,8 Prozent. Ein Treiber ist das Verleihgeschäft mit Fahrrädern, Ski und anderen Sportgeräten, das um 9,5 Prozent wuchs und mehr als 700 Millionen Euro erwirtschaftet (Handelsverband Österreich, 2026a). Der stationäre Handel verkauft damit zunehmend nicht nur Waren, sondern Leistungen.

Am deutlichsten zeigt sich der Effekt bei Lebensmitteln, der größten Warengruppe mit 32,1 Milliarden Euro und knapp 40 Prozent aller Einzelhandelsausgaben. Die Onlineausgaben sanken um 4,6 Prozent, der Online-Anteil liegt bei nur noch 2,2 Prozent – das vierte Rückgangsjahr in Folge. Als Hintergrund nennt der Handelsverband die geringen Margen im Zustellgeschäft, aus dem sich mehrere große Ketten zurückgezogen haben (Handelsverband Österreich, 2026a).

Kunde probiert Schuhe im Geschäft an – stationärer Handel gewinnt bei Mode Marktanteile
Der stationäre Handel gewinnt in der Modebranche an Marktanteilen.

Wo der Onlinehandel klar überlegen bleibt

Eine allgemeine Rückkehr zum Ladenkauf lässt sich daraus nicht ableiten. Bei Videospielen und Spielcomputern liegt der Online-Anteil bei 68 Prozent, bei Büchern und Zeitschriften bei 39,1 Prozent und im Segment Elektro und Elektronik bei 33,6 Prozent, wo die Onlineausgaben 2025 um 5,2 Prozent wuchsen (Handelsverband Österreich, 2026a).

Entscheidend ist die Produktkategorie: Je standardisierter und vergleichbarer ein Produkt ist, desto stärker der Onlinekanal. Je wichtiger Anprobe, Beratung oder sofortige Verfügbarkeit sind, desto größer der Vorteil der Filiale.

Onlinehandel vs. stationärer Handel: Die Kanäle konkurrieren weniger als gedacht

Konsumentinnen und Konsumenten wechseln längst selbstverständlich zwischen den Kanälen. 80 Prozent entdecken Waren zumindest manchmal online und kaufen sie anschließend im Geschäft, 72 Prozent informieren sich im Geschäft und kaufen danach online (Handelsverband Österreich, 2024). Webrooming ist damit sogar etwas verbreiteter als das lange gefürchtete Showrooming.

Der Wettbewerbsdruck kommt heute weniger vom Webshop in der Nachbarschaft als von globalen Plattformen: 47 Prozent der E-Commerce-Ausgaben beziehungsweise 5,8 Milliarden Euro fließen 2026 an ausländische Anbieter, davon allein 1,3 Milliarden Euro an chinesische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress (Handelsverband Österreich, 2026b).

Die Filiale wird digital – ein Handelsboom ist das nicht

Das Comeback der Filiale bedeutet keine Rückkehr zum Handel von 2005. 47 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher nutzen Self-Checkout-Kassen gerne, in der Generation Z sind es 82 Prozent, bei Babyboomern nur 20 Prozent. 14 Prozent haben Scan & Go bereits ausprobiert (Handelsverband Österreich, 2026c). Parallel dazu wächst der Mobile Commerce 2026 um 32 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro; 44 Prozent aller Onlineausgaben erfolgen inzwischen mobil (Handelsverband Österreich, 2026b).

Wirtschaftlich bleibt die Lage dennoch angespannt. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die kalenderbereinigten Einzelhandelsumsätze nominell um 2,1 Prozent, real blieb nur ein Plus von 0,1 Prozent – praktisch Stagnation (WIFO, zit. n. Leadersnet, 2026). Stabile Marktanteile sind also nicht mit Wachstum zu verwechseln.

Fazit

Die relevante Frage für Händler lautet nicht mehr online oder stationär, sondern welcher Kanal welches Kundenbedürfnis am besten löst. Mit 87,5 Prozent Ausgabenanteil bleibt die Filiale der wirtschaftliche Kern des österreichischen Einzelhandels, während der Onlinehandel in klar abgrenzbaren Kategorien dominiert und zunehmend mobil stattfindet. Angesichts realer Stagnation und wachsender Konkurrenz durch internationale Plattformen dürfte künftig weniger die Kanalwahl über den Erfolg entscheiden als deren Verzahnung.

Häufige Fragen zum stationären Handel in Österreich

Wie hoch ist der Anteil des stationären Handels in Österreich?
2025 entfielen 87,5 Prozent der einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben auf den stationären Handel, 12,5 Prozent auf E-Commerce (Handelsverband Österreich, 2026a). In Wien liegt der stationäre Anteil mit rund 88 Prozent ähnlich hoch (Wirtschaftskammer Wien, 2026).
Schrumpft der Onlinehandel in Österreich?
Nein. Die E-Commerce-Ausgaben steigen 2026 auf den Rekordwert von 12,3 Milliarden Euro, ein Plus von drei Prozent gegenüber 2025 und 24 Prozent gegenüber 2023 (Handelsverband Österreich, 2026b). Rückläufig sind lediglich die Online-Anteile in einzelnen Warengruppen wie Mode, Sport und Lebensmitteln.
In welchen Branchen gewinnt der stationäre Handel Marktanteile zurück?
Vor allem bei Bekleidung und Schuhen, Sportartikeln sowie Nahrungs- und Genussmitteln sank der Online-Anteil 2025, während die Gesamtausgaben stiegen (Handelsverband Österreich, 2026a). Gemeinsamer Nenner sind Produkte, bei denen Anprobe, Beratung oder sofortige Verfügbarkeit zählen.
Warum kaufen Österreicher kaum Lebensmittel online?
Der Online-Anteil im Lebensmittelhandel liegt bei 2,2 Prozent und sinkt das vierte Jahr in Folge. Ein wesentlicher Grund sind die geringen Margen im Zustellgeschäft, weshalb mehrere große Handelsketten ihr Lieferangebot reduziert haben (Handelsverband Österreich, 2026a).
Was bedeutet Webrooming?
Webrooming beschreibt die Onlinerecherche mit anschließendem Kauf im Geschäft. In Österreich geben 80 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten an, das zumindest manchmal zu tun – etwas mehr als beim umgekehrten Showrooming mit 72 Prozent (Handelsverband Österreich, 2024).

Quellenverzeichnis

Handelsverband Österreich. (2024). Handelsverband Shopping Index Deep Dive 2024. https://www.handelsverband.at/publikationen/studien/shopping-index/handelsverband-shopping-index-deep-dive-2024/

Handelsverband Österreich. (2026a). Handel in Zahlen. Jahresbilanz 2025. https://www.handelsverband.at/publikationen/studien/handel-in-zahlen-die-jahresbilanz/handel-in-zahlen-jahresbilanz-2025/

Handelsverband Österreich. (2026b, 22. Juni). HV E-Commerce-Studie 2026: Onlinehandel wächst auf Rekordwert von 12,3 Milliarden Euro [Presseaussendung]. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260622_OTS0118/hv-e-commerce-studie-2026-onlinehandel-waechst-auf-rekordwert-von-123-milliarden-euro-smartphone-wird-zum-dominierenden-shopping-kanal

Handelsverband Österreich. (2026c, 6. August). Jeder zweite Österreicher nutzt gerne Self-Checkout-Kassen. Gen Z treibt den Wandel an [Presseaussendung]. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260806_OTS0075/jeder-zweite-oesterreicher-nutzt-gerne-self-checkout-kassen-gen-z-treibt-den-wandel-an

Leadersnet. (2026, 24. August). Österreichs Einzelhandel stagniert trotz sinkender Inflation. https://www.leadersnet.at/news/103000,oesterreichs-einzelhandel-stagniert-trotz-sinkender-inflation.html

Wirtschaftskammer Wien. (2026, 22. Juli). Stationärer Handel behauptet sich, trotz Rekord-Ausgaben im Online-Handel [Presseaussendung]. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260722_OTS0012/wk-wien-stationaerer-handel-behauptet-sich-trotz-rekord-ausgaben-im-online-handel

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