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Schweizer KI-Startup Giotto fordert ChatGPT und Claude heraus

Das Lausanner Unternehmen positioniert sich mit einem ressourcenschonenden KI-System als europäische Alternative zu den US-amerikanischen Platzhirschen der Branche.
Comicfiguren kämpfen um die europäische KI-Souveränität

Das Schweizer KI-Startup Giotto hat im Juli 2026 eine kostenlose, in Europa gehostete Cloud-Version seines KI-Systems lanciert und tritt damit offen gegen ChatGPT und Claude an (ORF.at, 2026). Mit nur 27 Mitarbeitenden und einer anfänglichen Finanzierung von gerade einmal 15 Millionen Franken verfolgt das 2017 gegründete Unternehmen einen Ansatz, der auf Recheneffizienz statt auf immer größere Sprachmodelle setzt (WirtschaftsWoche, 2025).

Kurz zusammengefasst
  • Giotto wurde 2017 von einer Gruppe Mathematiker rund um CEO Aldo Podestà gegründet, die sich an der EPFL Lausanne kennenlernten.
  • Das Startup trennt das Gedächtnis vom Sprachmodell und benötigt dadurch laut eigenen Angaben bis zu 72-mal weniger Rechenleistung als vergleichbare Systeme.
  • Beim renommierten Wettbewerb ARC Prize 2025 erreichte Giotto mit deutlichem Abstand den ersten Platz, was zu mehreren Übernahmeangeboten aus dem Silicon Valley führte.
  • Im Juli 2026 lancierte Giotto eine kostenlose Cloud-Version seines KI-Systems, die vollständig in Europa gehostet wird.
  • Aktuell sucht das Unternehmen eine Finanzierungsrunde von über 200 Millionen US-Dollar bei einer angestrebten Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.

Wer steckt hinter dem Schweizer KI-Startup Giotto?

Giotto wurde 2017 von einer Gruppe Mathematiker gegründet, die sich an der Technischen Hochschule EPFL in Lausanne kennengelernt und zuvor gemeinsam einen internationalen Wettbewerb gewonnen hatten (NZZ, 2025). CEO und Mitgründer ist der 33-jährige Italiener Aldo Podestà, der vor Giotto in der Vertriebsstrategie beim Konzern Philip Morris tätig war (FYB Financial Yearbook, 2025).

Finanziell abgesichert war das Startup lange durch einen früheren Verkauf: 2022 veräußerte Giotto ein selbst entwickeltes KI-Modell zur Auswertung klinischer Studien an das US-Unternehmen RQM+, das heute unter dem Namen Fern.ai firmiert (NZZ, 2026a). Dieser Erlös erlaubte es dem Team, sich über Jahre auf Grundlagenforschung zu konzentrieren, statt früh kommerziellen Druck zu spüren.

Screenshot aus dem Schweizer KI-Tool "GiottoAI"
Bild: Screenshot aus dem Schweizer KI-Tool „Giotto.ai“

Was unterscheidet Giottos KI-System von ChatGPT und Claude?

Giotto verfolgt eine andere technische Philosophie als die großen US-Anbieter: Transformer-Architekturen sollen als Motor für logisches Denken dienen, nicht als reines Gedächtnis (NZZ, 2025). Statt sich alle Informationen im Modell selbst zu merken, lagert Giottos System das Gedächtnis aus und ruft es bei Bedarf ab – ein Ansatz, den Podestà als deutlich effizienter beschreibt.

Praktisch zeigt sich das darin, dass Giottos aktuelles Modell bereits mit einer einzigen Grafikkarte betrieben werden kann und dabei in Benchmarks wie HLE, AIME und MATH konkurrenzfähige Ergebnisse erzielt (Netzwoche, 2026). Für den lokalen Einsatz bietet das Unternehmen mit „Giotto Workstation“ und „Giotto Server“ zwei Hardwarelösungen an, wahlweise auch als reine Softwarelizenz oder über gehostete GPU-Kapazitäten.

Wie schneidet Giotto im internationalen Vergleich ab?


Beim KI-Wettbewerb ARC Prize 2025 belegte Giotto unter mehr als tausend Teilnehmenden mit großem Abstand den ersten Platz, was dem Startup internationale Aufmerksamkeit verschaffte (NZZ, 2025). Auf dem Kaggle-Leaderboard für ARC-AGI-2 führt Giotto nach eigenen Angaben mit einem Score von rund 25 Prozent und weist deutlich geringere Kosten pro Aufgabe aus als andere KI-Labore (itReseller, 2025).

Der Erfolg zog seit Bekanntgabe der Ergebnisse regelmäßige Übernahmeangebote aus dem Silicon Valley nach sich, die das Unternehmen jedoch ablehnte, um die Eigenständigkeit zu wahren (NZZ, 2025). Unabhängige Fachleute bewerten den Ansatz als vielversprechend, mahnen aber zur Vorsicht: Der Computerlinguist Hinrich Schütze von der LMU München weist darauf hin, dass auch andere Forschungseinrichtungen an ähnlichen Gedächtnismodulen arbeiten und sich die Einzigartigkeit von Giottos Verfahren ohne technische Details schwer einschätzen lasse (WirtschaftsWoche, 2025).

Screenshot vom LinkedIn-Profil von Aldo Podesta, CEO von Giotto.ai
Bild: LinkedIn-Profil des CEOs von Giotto.ai, Aldo Podesta (Quelle: Screenshot)


Welche Rolle spielt Giotto für die europäische KI-Souveränität?

Giotto positioniert sein Angebot gezielt als Alternative zu US-amerikanischer und chinesischer KI-Infrastruktur. Die neue Cloud-Version wird laut Unternehmensangaben vollständig in Europa gehostet, um Datennähe und technologische Souveränität zu gewährleisten (ORF.at, 2026). Zu den Kunden zählen bereits mehrere Schweizer Spitäler, Versicherungen, Banken und Pharmaunternehmen sowie die Schweizer Armee und der staatliche Rüstungsbetrieb Ruag (NZZ, 2026b).

Podestà hat zudem dem EPFL-Professor Martin Jaggi Unterstützung für die offene Schweizer KI Apertus angeboten, was Jaggi bestätigt hat (NZZ, 2026b). Langfristig will Giotto ein eigenes Rechenzentrum mit 5.000 bis 10.000 Halbleitern aufbauen und bis Jahresende die Gewinnschwelle erreichen (NZZ, 2026b).

Wie geht es mit Giotto weiter?

Giotto sucht derzeit mit Unterstützung der Investmentbank Lazard eine Finanzierungsrunde von über 200 Millionen US-Dollar, um die Forschung Richtung künstlicher allgemeiner Intelligenz (AGI) zu beschleunigen (itReseller, 2025). Die angestrebte Unternehmensbewertung liegt bei über einer Milliarde US-Dollar. Podestà zufolge soll sich innerhalb der kommenden sechs bis neun Monate entscheiden, welchen Weg das Unternehmen einschlägt (NZZ, 2025).

Fazit


Giotto zeigt, dass auch ein kleines Team mit vergleichsweise wenig Kapital in der KI-Branche international mithalten kann. Ob das Schweizer KI-Startup seinen Anspruch, eine ernsthafte Alternative zu ChatGPT und Claude zu sein, dauerhaft einlösen kann, wird sich an der bevorstehenden Finanzierungsrunde und der kommerziellen Umsetzung zeigen.

FAQs

Was ist Giotto.ai?
Giotto.ai ist ein 2017 gegründetes Schweizer KI-Startup mit Sitz in Lausanne, das ein eigenes, ressourcenschonendes KI-System entwickelt. Das Unternehmen positioniert sich als europäische Alternative zu ChatGPT und Claude und legt besonderen Wert auf Datensouveränität und lokale Betreibbarkeit.
Wie unterscheidet sich Giotto von ChatGPT und Claude?
Giotto trennt das Gedächtnis vom Sprachmodell und nutzt Transformer primär für logisches Schlussfolgern statt zum Auswendiglernen großer Datenmengen. Dadurch benötigt das System laut Unternehmensangaben deutlich weniger Rechenleistung – teils nur eine einzige GPU.
Ist Giottos KI-System kostenlos nutzbar?
Seit Juli 2026 bietet Giotto eine kostenlose Cloud-Version seines KI-Systems an, die in Europa gehostet wird. Für Unternehmen gibt es zusätzlich kostenpflichtige Optionen wie Softwarelizenzen, gehostete GPU-Kapazitäten oder eigene Hardware-Appliances.
Wer ist Aldo Podestà?
Aldo Podestà ist CEO und Mitgründer von Giotto.ai. Der 33-jährige Italiener war vor der Gründung des Startups in der Vertriebsstrategie beim Konzern Philip Morris tätig und lernte seine Mitgründer an der EPFL Lausanne kennen.
Arbeitet Giotto mit der Schweizer Armee zusammen?
Ja, Giotto arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit der Schweizer Armee und dem staatlichen Rüstungsbetrieb Ruag zusammen. Podestà begründet dies mit der wachsenden Bedeutung von KI für Sicherheit und Verteidigung in Europa.

Quellenverzeichnis

FYB Financial Yearbook. (2025, 24. September). Schweizer KI-Startup Giotto.ai strebt USD 200 Mio. Runde an. https://www.fyb.de/schweizer-ki-startup-giotto-ai-strebt-usd-200-mio-runde-an/

itReseller. (2025, 23. September). Schweizer KI-Start-up Giotto sucht Finanzierung. https://www.itreseller.ch/Artikel/104018/Schweizer_KI-Start-up_Giotto_sucht_Finanzierung.html

Netzwoche. (2026, 20. Mai). Dieses KI-Modell aus der Schweiz läuft auf einer einzigen GPU. https://www.netzwoche.ch/news/2026-05-20/dieses-ki-modell-aus-der-schweiz-laeuft-auf-einer-einzigen-gpu

Neue Zürcher Zeitung. (2025, 4. Oktober). Revolutionäre Schweizer KI von Giotto.ai: Milliardenschätzung und US-Angebote. https://www.nzz.ch/wirtschaft/eine-ld.1905171

Neue Zürcher Zeitung. (2026a, 19. Mai). Giotto.ai setzt auf Schweizer KI und lehnt sogar ein Angebot aus dem Silicon Valley ab. https://www.nzz.ch/wirtschaft/giottoai-setzt-auf-schweizer-ki-und-lehnt-sogar-ein-angebot-aus-dem-silicon-valley-ab-ld.10007036

Neue Zürcher Zeitung. (2026b, 3. Juli). Schweizer Unternehmer verspricht KI auf Silicon-Valley-Niveau. https://www.nzz.ch/technologie/schweizer-unternehmer-verspricht-ki-auf-silicon-valley-niveau-von-heute-an-kann-man-sie-nutzen-ld.10012998

ORF.at. (2026, 3. Juli). Schweizer KI-Start-up mit Kampfansage an ChatGPT. https://orf.at/stories/3435161/

WirtschaftsWoche. (2025, 6. Dezember). Künstliche Intelligenz: Dieses Start-up namens Giotto.ai schlägt OpenAI und Co. – mit einem kleineren Sprachmodell. https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/kuenstliche-intelligenz-dieses-start-up-namens-giottoai-schlaegt-openai-und-co-mit-einem-kleineren-sprachmodell/100180319.html

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