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Lehrberufe mit Zukunft: Österreich 2026 im Datencheck

Welche Lehrausbildungen der österreichische Arbeitsmarkt 2026 tatsächlich nachfragt – und warum ausgerechnet jetzt die Lehrlingszahlen sinken.
Person mit Laptop, der auf einer Solaranlage steht

Die besten Aussichten unter den Lehrberufen mit Zukunft haben in Österreich 2026 technische Ausbildungen rund um Energie, Gebäude und Automatisierung: Elektrotechnik, Installations- und Gebäudetechnik, Mechatronik, Metalltechnik sowie Informationstechnologie. Getrieben wird die Nachfrage von Energiewende, Gebäudesanierung und Industrieautomatisierung. Gleichzeitig ist die Zahl der Lehrlinge Ende 2025 auf einen historischen Tiefstand gefallen.

Kurz zusammengefasst

  • Ende 2025 wurden in Österreich 102.878 Lehrlinge in 25.168 Lehrbetrieben ausgebildet – ein Minus von 3,4 % gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste je gemessene Stand (Wirtschaftskammer Österreich, 2026).
  • Die stärksten Zukunftschancen bieten Elektrotechnik, Installations- und Gebäudetechnik, Mechatronik, Metalltechnik und IT-nahe Lehrberufe. Rund 40 % eines Altersjahrgangs absolvieren weiterhin eine Lehre – die duale Ausbildung bleibt der größte einzelne Ausbildungsweg (BMWET & WKO, 2025).
  • Das Problem ist kein reiner Lehrstellenmangel: 2025 gab es österreichweit sogar wieder mehr Lehrstellensuchende als gemeldete offene Lehrstellen (AMS, 2026a).
  • Akademische Abschlüsse bringen im Median weiterhin höhere Einkommen – die Entscheidung hängt stärker vom konkreten Beruf ab als vom Ausbildungstyp.

Diese Lehrberufe mit Zukunft haben in Österreich 2026 die besten Karten

Die aussichtsreichsten Lehrberufe liegen 2026 dort, wo Infrastruktur gebaut, umgerüstet und gewartet wird. Sechs Bereiche stechen heraus:

  1. Elektrotechnik – der Schlüsselberuf für Photovoltaik, Netzausbau, Elektromobilität und Smart Buildings.
  2. Installations- und Gebäudetechnik – getragen von Wärmepumpen, Heizungstausch und Sanierung.
  3. Mechatronik – Schnittstelle aus Mechanik, Elektronik und Automatisierung.
  4. Metalltechnik – weiterhin einer der größten Lehrberufe, heute stark von CNC und Robotik geprägt.
  5. Informationstechnologie und Applikationsentwicklung – Coding – digitale Lehrberufe, die vielen Eltern noch kaum bekannt sind.
  6. Kälte- und Klimatechnik – Nachfragetreiber sind Klimatisierung, Kühllogistik und Energieeffizienz.

Wie stark die Nachfrage in diesem Feld ist, zeigt ein einzelnes Beispiel: Für Elektrotechnikerinnen und Elektrotechniker der Installations- und Gebäudetechnik waren zuletzt über 1.600 offene Stellen allein im eJob-Room des AMS ausgeschrieben, bei einem Einstiegsgehalt ab rund 2.920 Euro brutto monatlich (AMS, o. D.-a).

Warum Energiewende und Automatisierung die Nachfrage treiben

Der Bedarf an technischen Fachkräften folgt keinem kurzfristigen Konjunkturzyklus, sondern strukturellen Umbauprozessen. Stromnetze, Ladeinfrastruktur, Photovoltaikanlagen und Heizsysteme müssen physisch installiert, gewartet und repariert werden – Tätigkeiten, die weder ins Ausland verlagerbar noch durch Software ersetzbar sind.

Das schlägt sich auch in der Ausbildung selbst nieder. Mit dem Lehrberufspaket 1/2026 modernisiert das Wirtschaftsministerium 14 Lehrberufe und passt sie gezielt an neue Technologien, Digitalisierung und Energiewende an; die neuen Ausbildungsordnungen treten überwiegend mit 1. Juli 2026 in Kraft (BMWET, 2026). Künstliche Intelligenz entwertet technische Lehrberufe also nicht automatisch – sie erhöht in der Anlagentechnik eher den Bedarf an Menschen, die diese Systeme betreuen.

Die Lehre schrumpft – trotz hoher Fachkräftenachfrage

Der auffälligste Befund 2026 ist ein Widerspruch: Die Nachfrage nach Fachkräften bleibt hoch, das Angebot an Lehrlingen sinkt. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 standen 102.878 Jugendliche in einer Lehrausbildung, ein Rückgang um 3.574 Personen innerhalb eines Jahres. Alle Bundesländer verzeichneten Rückgänge (Wirtschaftskammer Österreich, 2026).

Zugleich lässt sich das nicht auf einen simplen Lehrstellenmangel reduzieren. Nachdem sich die Lücke 2024 fast geschlossen hatte, gab es 2025 wieder rund 2.190 mehr Lehrstellensuchende als gemeldete offene Lehrstellen; für 2026 rechnet das AMS mit etwa 9.900 Lehrstellensuchenden im Jahresdurchschnitt (AMS, 2026a; AMS, 2026b). Angebot und Nachfrage passen regional und beruflich häufig nicht zusammen.

Dazu kommt eine starke Konzentration: Mädchen wählen überdurchschnittlich häufig Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin, Burschen Elektrotechnik, Metalltechnik und Kfz-Technik – obwohl in Österreich rund 230 Lehrberufe zur Verfügung stehen (AMS, o. D.-b).

Statistik zur Anzahl der Lehrlinge in Österreich im Zeitverlauf seit 2000 bis 2025
Quelle: WKO-Lehrlingsstatistik 2025 (Stichtag 31.12.2025) – Eigene Darstellung via KI

Lehre oder Studium: Was die Einkommensdaten zeigen

Ein Hochschulabschluss zahlt sich im Median weiterhin aus – dieser Befund lässt sich nicht wegdiskutieren. Für ganzjährig Vollzeitbeschäftigte lag das mittlere Bruttojahreseinkommen mit Lehrabschluss bei rund 47.500 Euro, mit Hochschulabschluss bei rund 70.000 Euro (Statistik Austria, 2024).

Diese Zahl beantwortet aber nicht die eigentliche Frage. Sie sagt nichts über einzelne Berufe, Arbeitslosigkeitsrisiken, Ausbildungsdauer oder das Einkommen während der Ausbildung aus. Lehrlinge verdienen ab dem ersten Lehrjahr und treten mehrere Jahre früher voll ins Erwerbsleben ein. Zudem ist eine Lehrentscheidung mit 15 keine Absage an akademische Bildung: Lehre mit Matura, Meisterprüfung, Werkmeisterschule und Fachhochschule stehen offen.

Fazit

Von einer Renaissance der Lehre lässt sich 2026 nicht sprechen – die Zahlen zeigen das Gegenteil. Wirtschaftlich relevant ist eine andere Beobachtung: Gerade jene Berufe, die den Umbau von Energie- und Gebäudeinfrastruktur tragen, finden immer schwerer Nachwuchs. Für Jugendliche mit technischem Interesse ist das eine ungewöhnlich gute Verhandlungsposition.

Häufige Fragen zu Lehrberufen mit Zukunft

Welche Lehre hat 2026 die besten Zukunftschancen?
Die besten Chancen bieten technische Lehrberufe rund um Energie, Gebäude und Automatisierung, allen voran Elektrotechnik sowie Installations- und Gebäudetechnik. Auch Mechatronik, Metalltechnik und IT-nahe Lehrberufe wie Applikationsentwicklung – Coding gelten als aussichtsreich. Ausschlaggebend sind langfristige Treiber wie Netzausbau, Sanierung und Industrieautomatisierung.
Wie viele Lehrlinge gibt es in Österreich?
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 gab es in Österreich 102.878 Lehrlinge in 25.168 Lehrbetrieben (Wirtschaftskammer Österreich, 2026). Das ist der niedrigste je erfasste Stand und bedeutet ein Minus von 3,4 % gegenüber 2024. Dennoch absolvieren weiterhin rund 40 % eines Altersjahrgangs eine Lehre.
Verdient man mit einer Lehre weniger als mit einem Studium?
Im Median ja: Ganzjährig vollzeitbeschäftigte Personen mit Hochschulabschluss verdienten rund 70.000 Euro brutto jährlich, jene mit Lehrabschluss rund 47.500 Euro (Statistik Austria, 2024). Diese Durchschnittsbetrachtung sagt allerdings wenig über einzelne Berufe aus. Gefragte technische Fachkräfte mit Meisterprüfung oder Spezialisierung können deutlich darüber liegen.
Ersetzt künstliche Intelligenz technische Lehrberufe?
In der Anlagen- und Gebäudetechnik ist das kurzfristig unwahrscheinlich. Installation, Wartung und Störungsbehebung erfordern physische Präsenz und Verantwortung vor Ort. Automatisierung erhöht in vielen Produktionsbetrieben sogar den Bedarf an Fachkräften, die Anlagen aufbauen und instand halten.
Kann man nach einer Lehre noch studieren?
Ja. Über die Berufsreifeprüfung, die während der Lehrzeit kostenlos absolviert werden kann, sowie über Werkmeisterschulen und Studienberechtigungsprüfungen steht der Hochschulzugang offen. Eine Lehre schließt ein späteres Studium damit nicht aus.

Quellenverzeichnis

Arbeitsmarktservice Österreich. (2026a). Lehrlingsausbildung: Vorschau auf Angebot und Nachfrage 2026 [AMS-Lehrlingsprognose]. https://forschungsnetzwerk.ams.at/dam/jcr:3ffc50e9-004d-4628-86a9-37749df0d581/AMS_Lehrlingsprognose_2026.pdf

Arbeitsmarktservice Österreich. (2026b). Einige Zahlen zur Entwicklung der Lehrlingsausbildung in Österreich im Jahr 2026 (AMS FokusInfo 298). https://forschungsnetzwerk.ams.at/dam/jcr:0bcf3140-d8d9-4fc9-b510-de676bacb155/

Arbeitsmarktservice Österreich. (o. D.-a). ElektrotechnikerIn für Installations- und Gebäudetechnik. AMS-Berufsinformationssystem. https://bis.ams.or.at/bis/beruf/435-ElektrotechnikerIn%20f%C3%BCr%20Installations-%20und%20Geb%C3%A4udetechnik

Arbeitsmarktservice Österreich. (o. D.-b). Weniger bekannte Lehrberufe mit Zukunft. AMS-Karrierekompass. https://www.karrierekompass.at/schwerpunktthemen/weniger-bekannte-lehrberufe-mit-zukunft

Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus. (2026). Lehrberufspaket 1/2026: 14 Lehrberufe modernisiert [Presseinformation]. https://www.bmwet.gv.at/Presse/AktuellePressemeldungen/lehrberufe-modernisiert.html

Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus & Wirtschaftskammer Österreich. (2025). Lehrberufe in Österreich – Ausbildungen mit Zukunft, Ausgabe 2025. https://www.bic.at/downloads/de/broschueren/lehrberufe_in_oesterreich_2025.pdf

Statistik Austria. (2024). Allgemeiner Einkommensbericht 2024 (Reihe Einkommen 2024/1). https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/home_1/home_1/Allgemeiner_Einkommensbericht_2024_BF.pdf

Wirtschaftskammer Österreich. (2026). Lehrlinge in Österreich 2025 [Lehrlingsstatistik, Stichtag 31.12.2025]. https://www.wko.at/statistik/jahrbuch/lehrlinge25.pdf

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