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Braucht man 2026 überhaupt noch eine Website?

KI-Antworten, Social Media und Plattformen verändern, wie Menschen Unternehmen finden. Was die Daten aus Österreich und der Suchforschung über die Zukunft der Unternehmenswebsite sagen.
Braucht man noch eine Website?

Die Frage ist 2026 keine rhetorische mehr. Menschen lernen Unternehmen heute über Instagram, TikTok, Google Maps, das Google Business Profile, Marktplätze, Bewertungsportale, ChatGPT oder die KI-Zusammenfassungen in der Google-Suche kennen – und erhalten dort in vielen Fällen bereits alles, was sie für eine Entscheidung brauchen. Die Antwort lautet dennoch nicht einfach „Ja, jedes Unternehmen braucht eine Website“. Sie lautet: Die Website verschwindet nicht, aber ihre Aufgabe verschiebt sich. Sie ist immer seltener das Ziel, auf das Suchmaschinen Besucher lenken, und immer öfter die Infrastruktur im Hintergrund – Vertrauensnachweis, Abschlussfläche und strukturierte Informationsquelle, aus der sich Google und generative KI-Systeme bedienen.

Kurz zusammengefasst

  • 91,9 % der österreichischen Unternehmen ab zehn Beschäftigten haben eine Website, 68,1 % nutzen Social Media. Nur rund 2 % setzen ausschließlich auf Social Media (Statistik Austria, 2025).
  • Social Media hat die Website in den vergangenen zehn Jahren ergänzt, nicht ersetzt: Zwei Drittel der Unternehmen nutzen beides.
  • Die Zweifel sind berechtigt: Erscheint eine KI-Zusammenfassung in der Google-Suche, sinkt die Klickrate deutlich (Pew Research Center, 2025; Ahrefs, 2026).
  • Die Website verliert an Bedeutung als Traffic-Ziel und gewinnt an Bedeutung als Transaktions-, Vertrauens- und Recruiting-Ebene.
  • KI-Systeme greifen für ihre Antworten auf indexierte Webinhalte zurück. Wer keine eigene Quelle bereitstellt, überlässt die Darstellung Dritten.

In Österreich ist die eigene Website weiterhin der Normalfall

Die Website ist in der österreichischen Unternehmenslandschaft kein Auslaufmodell. Laut Statistik Austria verfügten 2025 91,9 % der Unternehmen ab zehn Beschäftigten über eine eigene Website, 68,1 % nutzten Social Media, 93,6 % mindestens eines von beidem und 66,5 % beides gemeinsam (Statistik Austria, 2025).

Aufschlussreich ist der Zehnjahresvergleich. 2015 hatten bereits rund 88 % der Unternehmen eine Website, während erst 42 % in sozialen Netzwerken präsent waren (Statistik Austria, 2025). Social Media ist in diesem Zeitraum also stark gewachsen – um 26 Prozentpunkte –, der Website-Anteil stieg parallel dazu um vier Prozentpunkte. Der Befund spricht gegen ein Verdrängungsverhältnis: Die Kanäle haben sich addiert. Die ausschließliche Nutzung von Social Media ohne eigene Website liegt bei rund 2 % der Unternehmen und konzentriert sich auf kleine Betriebe. Umgekehrt haben 25 % eine Website, aber keinen Social-Media-Kanal.

Auch die Funktionen sind dokumentiert: 62 % der Unternehmen präsentieren auf ihrer Website Produkte oder Dienstleistungen, 44 % nutzen sie für Stellenausschreibungen oder Online-Bewerbungen. Bei großen Unternehmen ab 250 Beschäftigten liegt dieser Recruiting-Anteil bei 92 % (Statistik Austria, 2025).

Eine methodische Einschränkung gehört dazu: Die Erhebung erfasst Unternehmen ab zehn Beschäftigten in ausgewählten Wirtschaftszweigen; rund 6.500 Betriebe nahmen zwischen Februar und Juli 2025 teil (Statistik Austria, 2025). Über Ein-Personen-Unternehmen und Kleinstbetriebe – einen erheblichen Teil der österreichischen Wirtschaft – erlaubt sie damit keine direkte Aussage. Gerade dort dürfte der Anteil rein plattformbasierter Auftritte höher liegen.

Die Zweifel an der Website sind berechtigt

Wer die Website heute infrage stellt, argumentiert nicht aus dem Bauch heraus. Die Suche liefert messbar weniger Klicks, seit Google KI-Zusammenfassungen ausspielt.

Das Pew Research Center untersuchte im März 2025 das Browsing-Verhalten von 900 US-Erwachsenen. Bei Suchvorgängen mit KI-Zusammenfassung klickten die Nutzerinnen und Nutzer in 8 % der Fälle auf ein klassisches Suchergebnis, ohne Zusammenfassung waren es 15 %. Links innerhalb der KI-Antwort selbst wurden nur in etwa 1 % der Besuche angeklickt. Zudem beendeten die Befragten ihre Sitzung nach einer Ergebnisseite mit KI-Zusammenfassung häufiger (26 % gegenüber 16 %) (Pew Research Center, 2025).

Eine aktualisierte Analyse von Ahrefs kommt zu einem ähnlichen Bild. Untersucht wurden 300.000 Keywords – 150.000 mit AI Overview und 150.000 vergleichbare informationale Keywords ohne – auf Basis aggregierter Google-Search-Console-Daten. Für Position 1 korrelierte das Vorhandensein eines AI Overviews im Dezember 2025 mit einer um rund 58 % niedrigeren Klickrate. In der ersten Fassung derselben Studie mit Daten aus März 2025 lag der Wert noch bei 34,5 % (Ahrefs, 2026).

Zwei Einschränkungen sind wichtig. Erstens handelt es sich um Korrelationen und Schätzungen, nicht um kausale Nachweise; auch Suchergebnisse ohne KI-Antwort verzeichneten Rückgänge. Zweitens stammen die Daten überwiegend aus dem US-Markt und aus informationalen Suchanfragen. Für lokale, transaktionale oder markenbezogene Suchen fällt der Effekt in mehreren Untersuchungen geringer aus. Die Richtung ist dennoch eindeutig: Sichtbarkeit in der Suche übersetzt sich seltener in einen Besuch.

Von der Traffic-Destination zur digitalen Infrastruktur

Die eigentliche Verschiebung liegt nicht im Bestand, sondern in der Funktion. Die Website hört auf, primär Reichweitenkanal zu sein, und wird zur Ebene, auf der Geschäftsvorgänge tatsächlich stattfinden.

Sichtbar wird das an drei Punkten. Erstens Transaktion: Terminbuchung, Angebotsanfrage, Bestellung, Kundenkonto. Wer diese Schritte auf Plattformen auslagert, bezahlt sie mit Provisionen, Reichweitenabhängigkeit und fehlendem Zugriff auf die eigenen Kundendaten. Zweitens Vertrauen: Preise, Referenzen, Zertifikate, Ansprechpersonen und Rechtstexte lassen sich in einem Social-Media-Profil kaum dauerhaft und auffindbar ablegen. Drittens Recruiting – jene 44 % der Unternehmen, die über die eigene Seite Personal suchen, dürften diesen Kanal kaum an ein Plattformprofil abgeben.

Hinzu kommt der regulatorische Rahmen. Seit 28. Juni 2025 gilt in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz (hier gibt’s mehr Infos zum Barrierefreiheitsgesetz), das den European Accessibility Act umsetzt. Es verpflichtet Unternehmen, bestimmte digitale Dienstleistungen an Verbraucherinnen und Verbraucher – etwa Onlineshops, Buchungs- oder E-Ticketing-Systeme – barrierefrei anzubieten; Kleinstunternehmen, die ausschließlich Dienstleistungen erbringen, sind ausgenommen (Sozialministerium, 2025). Das Gesetz schreibt keine Website vor. Es zeigt aber, dass digitale Kundenschnittstellen zunehmend wie Infrastruktur behandelt werden – mit entsprechenden Pflichten.

Die Website als Quelle für Google und KI-Systeme

Generative KI-Systeme erfinden keine Unternehmensinformationen, sie beziehen sie. Modelle ergänzen ihr statisches Trainingswissen über Suchindizes (Retrieval Augmented Generation) und zitieren daraus Quellen. Eine Ahrefs-Auswertung von 1,9 Millionen Zitationen aus einer Million AI Overviews ergab, dass 76,1 % der zitierten Seiten in den Google-Top-10 rankten, weitere 9,5 % auf den Positionen 11 bis 100 (Ahrefs, 2025). Neuere Erhebungen anderer Anbieter kommen auf deutlich niedrigere Überschneidungen – der Wert ist also weder stabil noch unumstritten. Das Grundprinzip bleibt: KI-Antworten stützen sich auf auffindbare, indexierbare Inhalte.

Daraus folgt eine nüchterne Konsequenz. Existiert keine eigene, klar strukturierte Quelle zu Leistungen, Preisen, Standorten und Zuständigkeiten, greifen Suchmaschinen und Chatbots auf das zurück, was verfügbar ist: Verzeichniseinträge, Bewertungsportale, Presseartikel, Forenbeiträge, veraltete Profile. Das Unternehmen verliert damit nicht die Sichtbarkeit, sondern die Kontrolle über die Darstellung. Für diese Rolle zählt weniger der Umfang einer Website als ihre Genauigkeit: eindeutige Angaben, saubere Überschriftenstruktur, beantwortete Fragen, aktuelle Daten. Hier gibt’s Infos dazu, wie Unternehmen im KI-Zeitalter sicherstellen können, dass von der KI-zitierte Informationen über sie auch richtig sind.

Wann eine schlanke Lösung genügt

Für einen Teil der Unternehmen ist eine umfangreiche klassische Website tatsächlich weniger wichtig geworden. Ein Gastronomiebetrieb mit gepflegtem Google Business Profile, aktuellen Öffnungszeiten, Speisekarte und Reservierungslink deckt den Informationsbedarf der meisten Gäste ab, ohne dass diese je eine Domain aufrufen. Ein Handwerksbetrieb mit vollen Auftragsbüchern und Weiterempfehlung als Hauptkanal gewinnt durch fünfzehn zusätzliche Unterseiten wenig. Händler, deren Umsatz über Marktplätze läuft, und Kreative, deren Portfolio auf Plattformen lebt, kommen mit einer einzigen, gut gepflegten Seite weit.

Der belastbare Unterschied liegt nicht in der Branche, sondern in der Frage, wo der Abschluss stattfindet und wie ersetzbar der Kanal ist. Wer Reichweite, Kundenbeziehung und Zahlungsabwicklung vollständig auf fremder Infrastruktur aufbaut, akzeptiert, dass Algorithmusänderungen, Gebührenmodelle oder Kontosperren das Geschäftsmodell direkt treffen.

Fazit

Die Frage „Braucht man 2026 noch eine Website?“ ist berechtigt, aber falsch gestellt. Sinnvoller ist die Frage, welche Aufgabe die Website im eigenen Geschäftsmodell noch erfüllt – und welche nicht mehr. Wer sie weiterhin an Besucherzahlen misst, wird enttäuscht werden. Wer sie als Transaktionsfläche, Vertrauensanker und maschinenlesbare Informationsquelle versteht, misst das Richtige. Die realistische Entwicklung ist kein Verschwinden, sondern eine Verkleinerung bei gleichzeitiger Aufwertung: weniger Seiten, präzisere Inhalte, klarere Funktionen.

Häufige Fragen zum Thema Websites

Braucht jedes Unternehmen 2026 noch eine eigene Website?
Nein, nicht zwingend. Für Betriebe, deren Kundenkontakt vollständig über Social-Media-Plattformen, Empfehlungen oder das Google Business Profile läuft, kann eine einzelne gepflegte Seite ausreichen. Sobald Terminbuchung, Angebotslegung, Verkauf, Recruiting oder rechtliche Informationspflichten dazukommen, führt an einer eigenen Website praktisch kein Weg vorbei.
Reicht ein Instagram- oder Facebook-Profil statt einer Website?
Für die reine Sichtbarkeit oft ja, als alleinige Basis selten. In Österreich nutzen laut Statistik Austria (2025) nur rund 2 % der Unternehmen ab zehn Beschäftigten ausschließlich Social Media ohne eigene Website. Plattformprofile sind zudem in Auffindbarkeit, Archivierbarkeit und Zugriff auf Kundendaten eingeschränkt.
Wie stark reduzieren Google AI Overviews die Klicks auf Websites?
Laut Pew Research Center (2025) klickten Nutzerinnen und Nutzer bei Suchergebnissen mit KI-Zusammenfassung in 8 % der Fälle auf ein klassisches Ergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 %. Ahrefs (2026) ermittelte für Position 1 eine um rund 58 % niedrigere Klickrate. Beide Studien zeigen Korrelationen, keine kausalen Effekte, und beziehen sich überwiegend auf informationale Suchanfragen.
Wie viele österreichische Unternehmen haben eine Website?
91,9 % der österreichischen Unternehmen ab zehn Beschäftigten verfügten 2025 über eine Website (Statistik Austria, 2025). Die Erhebung umfasst ausgewählte Wirtschaftszweige und Betriebe ab zehn Beschäftigten, lässt also keine direkten Rückschlüsse auf Ein-Personen-Unternehmen zu.
Wie muss eine Website aufgebaut sein, damit KI-Systeme sie als Quelle nutzen?
Entscheidend sind eindeutige, aktuelle und maschinenlesbare Angaben: klare Überschriftenstruktur, konkrete Leistungs-, Preis- und Standortinformationen, beantwortete Nutzerfragen und strukturierte Daten. KI-Systeme greifen für ihre Antworten überwiegend auf indexierte Seiten zurück (Ahrefs, 2025); fehlt eine eigene Quelle, werden Drittquellen herangezogen. Ein Lösung für Unternehmen sind sogenannte „Grounding-Pages“, hier gibt’s mehr Infos dazu.

Quellenverzeichnis

Ahrefs. (2025, 21. Juli). 76% of AI Overview citations pull from top 10 pages. https://ahrefs.com/blog/search-rankings-ai-citations/

Ahrefs. (2026, 4. Februar). Update: AI Overviews reduce clicks by 58%. https://ahrefs.com/blog/ai-overviews-reduce-clicks-update/

Pew Research Center. (2025, 22. Juli). Google users are less likely to click on links when an AI summary appears in the results. https://www.pewresearch.org/short-reads/2025/07/22/google-users-are-less-likely-to-click-on-links-when-an-ai-summary-appears-in-the-results/

Sozialministerium. (2025, 3. Juli). Barrierefreiheitsgesetz seit 28. Juni 2025 in Kraft. https://www.sozialministerium.gv.at/Services/Aktuelles/Archiv-2025/barrierefreiheitsgesetz.html

Statistik Austria. (2025, 16. Oktober). Fast alle Unternehmen sind online präsent (Pressemitteilung 14 020-213/25). https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2025/10/20251016IKTU2025.pdf

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